Standpunkt VI

 

MACHT macht gierig, abhängig und hart. ©skb

 

Satireske

 

über zwei unterschiedliche Eigenschaften menschlichen Bewusstseins*

 

Frau MACHT und ihre Busenfreundin GIER

wohnen im Haus Eintracht, erster Stock, Tür an Tür.

Die eine ist arm, die andere reich.

Das sieht, wer kommt, am Eingang sogleich.

Links ist der Türgriff mit Messing beschlagen

und rechts könnte er Ersatz gut vertragen.

Wo Messing blinkt, lugt ein Spion,

rasselt die Sperrkette mit eifrigem Ton.

An der anderen Türe steht geschrieben:

"Bitte die Visitenkarte unten durch schieben!"

 

Die übrigen Hausbewohner meiden die beiden.

Sie können weder Macht noch Gier richtig leiden.

Nur der Hausarzt muss manchmal zu denen hin

und unternimmt dies stets mit mürrischem Sinn:

Erst klingelt er an der stattlichen Tür,

daneben er poltert und schiebt unter Papier.

Da öffnet Frau Macht und gibt sich honett,

meint, die Gier läge wieder mal lange im Bett.

Was hat die denn bloß? Ist doch nicht krank.

Bestimmt sitzt bei der Herr Geizhals im Schrank.

 

Frau Gier ist es leid, sich das anzuhören.

Sie kontert von drinnen: "Lasst Euch nicht stören!

Ich weiß schon, warum der Doktor ist hier.

Bei mir ist nichts zu holen. Drum will er zu dir."

Die Macht hat es satt, mit der Gier sich zu streiten

vor dem Arzt und im Hause den anderen Leuten.

Sie lacht, bis sie platzt vor Sinnlosigkeit.

Frau Gier mit Gespür für ein letztes Geleit,

öffnet die Tür, will die Macht übernehmen.

Doch kommt sie zu spät und beginnt sich zu schämen.

 

Sie sieht, wie der Arzt gerade kopfschüttelnd geht

und rülpst hinterher: "Keiner versteht,

hat die MACHT nichts zu sagen, liegt es an mir,

denn ich bin die Kranke, ich bin die GIER."

Dreht der Arzt spontan auf der Treppe sich um,

spricht: "Wie schade! Ich gäbe was drum,

könntet ihr beiden Euch einmal vertragen.

MACHTGIER schlägt schließlich auch mir auf den Magen."

"Nun, wo sie tot ist die Macht", spricht die Gier,

"trete ich an ihre Stelle, denn ich bin ja hier.

 

Ab sofort übernehme ich deren Bereich,

dann gelte ich als mächtig-oder: Wie war das gleich?"

Der Doktor brummt: "Was stehst Du hier rum?

Mache Dich hinein, Gier und glotz nicht so dumm.

Du weißt doch genau, wo der Sinn geht verloren,

wird im Netz dieses Chaos die Macht neu geboren.

Also verschwinde hinter der eigenen Tür.

Die andre lass offen. Ich bin gleich wieder hier."

"Was, du hältst es mit der Macht, dieser dummen Trine

und ich soll zusehen mit süß-saurer Miene?"

 

Das ändern wir ab, ich weiß auch schon, wie.

Ich verstehe mich gut auf Demoskopie.

Dann weißt du nicht mehr, woher nehmen die Macht.

Ist sie da oder dort und - wer hat gelacht?

Da brauchst du keine Salbe, keine Binde, kein Gerät.

Wäre die Gier nicht, käme selbst die Macht oft zu spät.

Da staunt der Arzt und lässt sich belehren:

Keine Macht ohne Gier, das könnte er schwören.

Und zum ersten mal sieht er mit ganz klarem Blick:

Das Ding mit den Türen ist bloß ein Trick.

 

Die Lösung des Rätsels liegt auf der Hand.

Nun gebrauche der Leser seinen Verstand.

Dann erkennt er beizeiten der Macht ihre Tür

und welche bleibt dann für die maßlose Gier?

Ist sie arm? Wohnt sie links

oder rechts und ist reich?

Wie steht sie zur Macht im Vergleich?

Die Antwort verrät uns - wie der Joker im Spiel -

die MACHT selbst, denn sie diktiert,

was die GIER gerne will

 

©Listina Arguso, in „Manches Herz braucht eine Brille“, Verlag Frieling& Partner Berlin 2001

 

*Vom Autoren 2015 bearbeitet für diese Webseite

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